|
Da auch wir uns regelmäßig weiterbilden, veranstaltete mein Unternehmen ein Seminar für Trainer und Coaches zum Thema Beziehungsorientierte und Integrative Transaktionsanalyse im beruflichen Kontext. Unser Trainer war wieder Thomas Weil, den sie schon als Mitbegründer von ROMPC® kennen gelernt haben. Im Kreis saßen 16 TeilnehmerInnen als der Coach mich in die Mitte bat, um mit mir eine beziehungsorientierte Methode zu demonstrieren.
Knapp vier Monate vor dieser Weiterbildungsmaßnahme war meine geliebte Frau Gaby verstorben und ICH war noch sehr traurig. Mein ICH war seit Monaten »in Starre«. Ich hatte weder Lebensfreude und Eigenmotivation, Spaß und Lachen waren für mich vorbei. Alle Beratungs-, Trainings- und Coaching-Projekte wurden damals von meinen Teammitgliedern durchgeführt und ICH beschränkte mich auf die Geschäftsführung.
Thomas Weil wusste über diese Situation bescheid, auch er kannte meine Frau und wir hatten gemeinsam schöne Stunden verbracht.
Nun bat mich Thomas Weil, mich zunächst auf der zur Verfügung gestellten Liege auszustrecken; ICH folgte seiner Bitte und schaute ihm ins Gesicht. Er forderte nun die TeilnehmerInnen auf, die folgende beziehungsorientierte, körpertherapeutische Technik genau zu beobachten. Dann beugte er sich über mich, sah mich gütig an, presste seine Lippen leicht zusammen und machte »BrrlBrrlBrrlBrrl - Blablablabla – Blubbubblub« Diese Laute, die ICH das letzte Mal hatte, als ICH eine Mutter beim »Plaudern« mit ihrem Baby beobachtet hatte, forderte er mein ICH nun auf, nachzuahmen. Daher können Sie meine Verwunderung, was dies bedeuten sollte, sicher nachvollziehen. Jedoch zeigte sich keine spürbare und sichtbare Reaktion. ICH war also weiterhin »in Starre«. Die nachstehenden Minuten waren für mich dann allerdings noch verblüffender. Der Trainer beugte sich wieder über mich und begann mit dem so genannten Bauchpusten, das man mit kleinen Kindern macht, um sie zum Lachen zu bringen.
Er blies – vor meinem ganzen Team! – sehr geräuschvoll auf meinen Bauch und blickte mich dazwischen immer wieder lächelnd und gütig an. Anfangs fühlte ich Ärger in mir hochsteigen. Dann schossen auf einmal Tränen in meine Augen und ICH verspürte eine tiefe Traurigkeit. – Und ein paar Sekunden später musste ich zum ersten Mal lachen.
Nachdem die KollegInnen ihr Erstaunen über diese Aktion überwunden hatten und bemerkten, dass ICH zu lachen begann, konnten auch sie sich nicht mehr halten und lagen teilweise vor Lachen auf dem Boden. Das Bild ist mir unvergesslich. - ICH setzte mich auf, wischte mir die Lachtränen vom Gesicht und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Thomas blickte mich durch seine Brille sanft an und fragte mich: »Nun, wie fühlst Du dich jetzt, Thomas?«
Es war unglaublich! Dieses Gefühl der inneren Freiheit, der Lockerheit und Entspanntheit war kaum zu beschreiben. ICH hatte den Eindruck, zum ersten Mal in meinem Leben intensiv gelacht zu haben, und es tat unheimlich gut! - ICH denke, ICH war zu bewegt um etwas Sinnvolles sagen zu können, daher brachte ich nur ein leises »Gut, ich fühle mich gut, danke« heraus.
In den Monaten zuvor hatte ich versucht, mit meiner Logik und meinem Verstand meine unglückliche emotionale Situation in den Griff zu bekommen. Ich war damit kläglich gescheitert. Es war unglaublich, aber diese sieben Minuten »Bauchpusten« und »Brabbeln« hatten es mir erlaubt, meine Mauern niederzureißen und wieder Gefühle zuzulassen. Da wusste ICH, dass, wenn mein ICH sich wohl fühlen möchte, es mir nichts bringt, nur über das Wohlfühlen nachzudenken. ICH muss es auch erleben – wie ein kleines Kind.
Autor dieses Kapitels: Thomas Ferenc Dodner
|